Baukosten: Hamburger Standard als Lösung?
Das Hauptproblem am Immobilienmarkt sind fehlende Wohnungen. Die Angebotslücke treibt die Mietpreise nach oben. Die Baukosten sind aktuell jedoch hoch. Eine Lösung könnte der sogenannte Hamburger Standard sein, der eine Kostenersparnis von bis zu 30 Prozent bringen könnte. Worum geht es dabei?
Der Hamburger Standard kann zu mehr Neubauten führen
Aktuell fehlen laut Experten in Deutschland mindestens 600.000 bis 800.000 Wohnungen. Der Mieterbund sieht die Lücke nach einer Erhebung sogar bei 1,4 Millionen Wohnungen. Die Rahmenbedingungen für Neubauten sind zugleich durch steigende Zinsen und hohe Auflagen sowie eine stagnierende Wirtschaft alles andere als gut.
Eine Initiative der Stadt Hamburg möchte das durch den Hamburger Standard ändern, mit dem die Baukosten um bis zu 2.000 Euro pro Quadratmeter niedriger sind. Das führt zu einer höheren Investitionsbereitschaft und mehr Neubauten.
Sparen an Material, Dicke und Auflagen – ohne nennenswerte Abstriche?
Im Zentrum des Modells der Hansestadt stehen drei Elemente, die zu einer Preisreduktion führen. Bis zu 2.000 Euro brutto pro Quadratmeter Wohnfläche sollen Neubauten so billiger werden können.
- Vereinfachung von Baukonstruktion und Bautechnik: bis zu 600 Euro/m²,
- Verzicht auf ausgewählte technische und bauliche Elemente: bis zu 1.000 Euro/m²,
- optimierte Planungs- und Genehmigungsverfahren: bis zu 400 Euro/m².
Dabei geht es nicht darum, die aktuellen Baustandards nicht einzuhalten. Vielmehr werden diese innerhalb der Vorgaben so ausgelegt, dass verzichtbare Elemente herausgenommen sowie Ausstattung und Materialien nicht mehr als Maximallösung gedacht werden. Der Hamburger Standard ist somit eine Lösung für Kosteneffizienz innerhalb des gesetzlichen Rahmens und für eine beschleunigte Abwicklung. Die rechtssichere Umsetzung ist dabei gegeben, fachliche Arbeitskreise haben Musterlösungen definiert.
Einzelne Bauelemente reduzieren den Wohnkomfort
Der Hamburger Standard bedeutet für Mieter, dass nicht mehr so gebaut wird, dass die komfortabelste Obergrenze erreicht wird. Bauherren können auf einige DIN-Vorgaben verzichten oder diese so auslegen, dass kostspielige Umsetzungen günstiger werden.
Die Immobilien sind nicht zwingend „Häuser zweiter Klasse“, sondern Ergebnisse einer einfachen Bauweise, die alle erforderlichen Details beinhaltet, aber Luxus minimiert. Je nach Immobilie ist mit Abstrichen zu rechnen wie zum Beispiel bei Fenstern, Dicke der Wände und Decken, bei der Trittschalldämmung oder den Kellerräumen und Tiefgaragen. Das kann je nach Immobilie bedeuten: etwas mehr Geräusche aus den umliegenden Wohnungen, weniger Stauraum, ein etwas geringerer Wärme- und Kälteschutz usw. Diese negativen Auswirkungen sollen jedoch nur unwesentlich sein.
Der Effekt: schnellere und günstigere Neubauten
Um ein Drittel sollen so die Baukosten sinken. Das modulare Bauen mit ausgearbeiteten Einsparoptionen sorgt dafür, dass Wohnungen zukünftig schneller und günstiger gebaut werden können.
Die Stadt Hamburg hat dieses Vorhaben als „Initiative kostenreduziertes Bauen“ gestartet, um die Wohnungsnot effektiver zu bekämpfen und Bauen attraktiver zu machen. 200 Fachleute aus 100 Organisationen sind in die Ausgestaltung des Hamburger Standards eingebunden. Das Konzept könnte eine Vorreiterrolle bekommen, um den Rückstand beim erforderlichen Wohnungsbau abzuarbeiten. Das wirkt indirekt auf die Mietpreisentwicklung und belebt den Wohnungsmarkt. Vor allem aber schafft es schneller mehr Wohnungen, die am Markt angeboten werden können.
Geschrieben von
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